Das Eilenriederennen – Vom Mythos eines Motorradrennens (1/3)

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte in Deutschland der Motorradrennsport ab ca. 1922 wieder ein. Trotz Inflation und schlechter wirtschaftlichen Lage kam der Motorradmarkt in Gang. In dieser Zeit wurden mehr als 120 neue deutsche Motorradfirmen, zahlreiche Clubs gegründet und viele Straßenrennen ins Leben gerufen. Das Motorrad wurde zu einer Erfolgsgeschichte.

Es war auch der Beginn des Eilenriederennens, das am 30.3.1924 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Eine Stadt, die etwas auf sich hielt, besaß allein aus Imagegründen eine eigene Motorsportveranstaltung. Die Konkurrenz um die Straßenrennen war in den folgenden Jahren groß, aber der ADAC bemühte sich schon früh für den Standort Hannover. Clubs wie der MCN, HMC, LMAC und zahlreiche ehrenamtliche Helfer arbeiteten jedes Jahr unterstützend mit. Das Rennen war schnell national und international bekannt, wie folgende Geschichte von 1929 aus St. Moritz beweist: „Hannover ist eine Stadt mit großer Vergangenheit, eine Stadt, die früher einmal Hauptstadt eines Königreichs war, eine Stadt, die mit Hindenburgs Namen eng verbunden ist, die durch ihn und andere große Männer berühmt, durch Namen wie ‚Haarmann’ auch mal berüchtigt geworden ist, eine Stadt als Landeshauptstadt zusammen mit ihrem Lande einmal eng mit England verbunden war, von der man also eigentlich auch heute noch vielerlei Dinge zu sagen wüsste, um ihren Namen in die Erinnerung zurückzurufen. Aber trotz der englischen Vergangenheit Hannovers ist es gerade ein Engländer, der in die Konversation das Wort einwirft: ‚Aus Hannover? Das ist doch die Stadt des Eilenriederennens!’ Wir leben im Zeitalter des Sports, wie man sagt. Das erklärt vieles. Städte, in denen der Sport zu Hause ist, haben Weltruf. In Hannover ist es das Eilenriederennen, das als größte sportliche Veranstaltung der Stadt den Namen Hannovers in alle Welt getragen hat.“ (Hannoversche Landeszeitung, 8.3.1930)